der mensch wird am du zum ich - martin buber

Machen wir uns bewusst, wie sehr ein gesundes, entwicklungsförderliches Aufwachsen von Kindern, geprägt von sozialen Werten und einem einladenden Raum zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, unsere ganze Gesellschaft trägt?!

Für mich ist die Arbeit mit Kindern v.a. ein Auftrag, jedem Kind den Raum zu geben,  den es braucht, um sich zu zeigen und zu ent-wickeln. Erst dann entsteht die Art von Beziehung, die ich für das wirksame Umsetzen des pädagogischen Gedankens voraussetze.

Da mir die Kinesiologie sehr gut bei der Vorbereitung auf meine staatliche Prüfung geholfen hat, entstand das Interesse, diese Methode selbst zu erlernen.

Denn auch die Kinesiologie fördert, ähnlich wie in der Sozialpädagogik, das Wohl des Menschen, respektiert die Eigenverantwortlichkeit und ermöglicht Entwicklung der Persönlichkeit auf Basis einer partnerschaftlichen Haltung. Ihr Vorteil ist, dass man nicht nur von beobachtbarem Verhalten ausgeht, welches in einen Kontext gesetzt wird, sondern dass sie auch unbewusste Inhalte aufdecken kann und außerdem Hilfen zur Stresslösung bereithält - eine ideale Bereicherung meiner (sozial)pädagogischen Arbeit.



Ein paar Gedanken zum Erziehen, Bilden, Fördern und Lernen bzw. dazu, wie ich diese Begriffe, die Hand in Hand gehen, verwende.

(Als Ideal zu verstehen; es genügt, wenn Kinder die Ehrlichkeit und Echtheit in unseren Bemühungen erkennen können.)

Lernen mit Kopf, Herz und Hand - Herzensbildung

Wir lernen immer, nicht nur in der Schule, sondern unser Leben lang, ob bewusst oder unbewusst, von Geburt an bis zum Lebensende. Mit dem Begriff Lernen meine ich daher nicht nur das schulische Lernen.

Bezugspersonen können nicht nicht-erziehen (genausowenig, wie wir nicht nicht-kommunizieren können). Eltern bzw. Erziehende  und Kinder stehen in Beziehung, die für mich Grundlage der Erziehung ist. Teil von Erziehung sind Werte, die wir unseren Kindern direkt, z.B. verbal, oder indirekt, z.B. durch unser Modell, unsere gelebte  innere Haltung, tagtäglich vermitteln; ob uns das bewusst ist oder nicht.

Für seelische Gesundheit und unser soziales Miteinander ist es z.B. wichtig, sich situativ anpassen zu können (mit Anpassungsfähigkeit ist nicht generelles Angepasstsein gemeint).

Auch mit seiner Umwelt steht das Kind in Beziehung, es macht sich ein Bild, es bildet sich selbst in Wechselwirkung und Interaktion mit ihr (ko-konstruktiver Prozess, Selbstbildung).

Ziel von Erziehung ist der mündige, selbstständige Erwachsene; nötig sind personale, emotionale und soziale Kompetenzen, aber auch lebenspraktische Fähigkeiten.

Dabei ist Erziehung immer nur (Ver-)Suchen: Wir können in bester Absicht handeln und zugleich liegt es nicht in unserem Einfluss, welchen Weg ein Kind später als Erwachsener wählt. Dennoch kommt es im Zusammenleben mit Kindern auf unsere Absicht an.

Fördern heißt nicht Wissen eintrichtern, sondern meint v.a.  anregende Strukturen zu schaffen, die dem Kind in seiner ihm eigenen individuellen Entwicklung entsprechen.

Jedes Kind hat das Recht auf individuelle und entwicklungsgemäße Förderung, die zuallererst auf aufmerksamem Beobachten, Verstehen-Wollen und Akzeptanz dessen, was ist, gründet, und das aktuelle Interesse des Kindes aufgreift.

In einer Gesellschaft, die sehr von einem Überangebot an Reizen und Wahlmöglichkeiten geprägt ist, sehe ich es als (Haupt-)Aufgabe der Erwachsenen, Kindern das Wissen und die Fähigkeiten zu vermitteln, einen geeigneten Umgang damit zu finden, um möglichst selbstbestimmt leben zu können.

Die Begleitende Kinesiologie bietet meiner Erfahrung nach eine sinnvolle Möglichkeit, diese verantwortungsvolle Aufgabe  auf individuelle Weise umzusetzen, indem sie das Bewusstsein für die eigenen Wahlmöglichkeiten entwickeln, schärfen und verfeinern kann.

Es geht darum, dass ein Kind oder Jugendlicher sich in mindestens einer Beziehung, die selbstverständlich Raum auch für Konflikte und Frusterfahrung lässt, willkommen und respektiert fühlt. Sie ist die sichere Basis, welche die Entwicklung von Resilienz (seelische Widerstandskraft) und Autonomie fördert. In diesem Sinne fördert Erziehung als Persönlichkeitsbildung Klarheit über eigene persönliche Stärken und Möglichkeiten, ein stabiles Selbst, kreative Problemlöse- und Gestaltungsfähigkeit und Verantwortung für das eigene Handeln innerhalb der Gesellschaft.